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Gegenkultur anyone?

2014:

– Ein neues Heim für Refugees eröffnet in Hoyerwerda, Hetze durch Rechts und den Bürgermob mit inbegriffen natürlich.

– Mehrere Heime für Refugees werden immer wieder Opfer von Attacken sei es durch brennende Mülltonnen, Böller odä. 

 Die Band die in den 90ern und frühen Nullern die Musik zum einstieg in die Rechtsradikale Szene geboten hat kommt mit viel Geblitze und Gedonner im Teaservideo zurück: Die Onkelz(zzzzzzz)

– Der Prozess zu den NSU Verbrechen ist mittlerweile nur noch eine Randnotiz bei den meisten Tageszeitungen. Kaum noch größere Berichte zu den Verhandlungstagen etc. Offenbar steht bei vielen Medien die Auflage mal wieder höher als wichtige Berichterstattung.

Mittlerweile mag sich der Eindruck bei einigen einstellen das Deutschland die Worte des Ex Bundespräsidenten Horst Köhler nur zu gerne befolgt „Wir dürfen uns jetzt nicht in Panik reden.“.

Lieber schaut man zu, wenn sich Nazis und Bürgerliche gegen Refugeeheime formieren. Man schaut lieber zu, wenn der Bundespräsident davon erzählt das man ja nicht mehr in der Folgezeit des 2. Weltkrieges wäre und man deshalb auch nicht mehr am deutschen Rechtsstaat zweifeln dürfe. Das Europa eine Verteidigungslinie braucht um sich gegen den internationalen Terrorismus oder „Cyberkriminelle“ zu stellen um die braven Bürger vor dem bösen Rest der Welt (vorallem vor dem kommunistischen) zu schützen. An den Küsten Italiens sieht man ja wie diese Verteidigungslinie aussieht. Den natürlich ist diese Verteidigungslinie auch eine Verteidigung gegen Refugees die vor Krieg und Armut fliehen wollen. Weiterhin erzählt der Bundespräsident von der Verantwortung Deutschlands in Militärfragen (frei nach „Damals hieß es noch „Von Deutschlands Boden darf nie wieder ein Krieg ausgehen, heute heisst es „Nie wieder Krieg ohne Deutschland.“ ).

Wir erleben im Moment ein Deutschland das davon redet, dass es nun auch mal gut sei mit der ewigen Schuld des 2. Weltkrieges. Im TV wird diese These dann mit Werken wie „Unsere Mütter, Unsere Väter“ unterstrichen. „Nicht alle Deutsche waren Täter“ geht Hand in Hand mit „Opa war OK“. KritikerInnen werden mit der Stigmatisierung als „Linksfaschist“ „Chaot“ odä. abgebügelt. Das ist immer sehr bequem, damit man sich nicht inhaltlich mit der Kritik auseinandersetzen muss sonst könnte der brave Deutsche ja bemerken, dass das reaktionäre Bürgertum mit ein Grund für den „Erfolg“ der NSU waren.

Aber solche Kritik ist ja müssig, denn wer dem Rechtsstaat nicht blindes vertrauen schenkt, ist in den Augen der Mehrheit ja nur ein linker Chaot der die Stabilität des deutschen Rechtsstaates ins wanken bringen will. Das z.B. im falle der NSU eine nicht unwesentliche Schuld bei den Sicherheitsorganen lag, wird meist konsequent ausgeblendet oder mit dem Argument des Einzelfalls abgewälzt.  Lieber wird sich über angeblich unsaubere Sinti und Roma aufgeregt, es werden (natürlich nicht rechte) „Nein zum Heim in xyz“ Seiten in Facebook geliked (und seien wir froh, dass das meist das einzige Engagement dieser Menschen bleibt. ) oder es wird Solidarität mit PolizeibeamtInnen gefordert die in Hamburg zuerst Refugees gejagt haben, dann eine linke Solidemo massiv zusammengeknüppelt haben, davor & danach mit Hilfe der Hamburger Presse ein Schreckensbild der linken Szene gezeichnet haben (mit dem Höhepunkt der Falschdarstellung eines angeblichen Angriffes auf die Davidwache auf St. Pauli) und dann ein Gefahrengebiet eingerichtet haben in dem sie tagelang Menschen drangsaliert und festgenommen haben.

Und nun die Reunion der Böhsen Onkelz. Mit viel Gewitter und Donnerblitzen & Schwarz-Weiss effekten kündigen sie ein Konzert am Hockenheimring an. Im Juni. Natürlich implodieren die zahlreichen Fanseiten der Onkelz auf Facebook und im sonstigen Netz.  „Unpolitische“ Jugendliche, Nazis, OI-Skins und auch Alternativ bis Linke Jugendliche wieder vereint im dröhnenden Pathosrock der „Gossenkinder“ gegen „die da oben“? Wieder das Auftreten einer Band bei der man ganz absichtlich mit dem rechten Image spielt? Zumindest fürs erste nur bei einem Konzert, was danach kommt steht zumindest offiziell noch in den Sternen. Was momentan hinter den Kulissen gemacht wird, bleibt im dunkeln. Die Fans gieren zumindest in großen Teilen nach mehr (natürlich gibt es sogar unter den Onkelzfans Leute, die schlau genug sind das zu erkennen, was hier Sinn & Zweck der Reunion war: Mit dieser Reunion wird man mithilfe auch der Presse sei sie negativ oder positiv den Merchverkauf ordentlich ankurbeln. Das die Karten eh in wenigen Minuten weggehen wird wohl kaum jemanden überraschen.). So werden die Onkelz dieses mal noch zusätzlich zu Frei.Wild den Sound für die Mitte-rechts Mehrheit in Deutschland spielen. Für die Menschen die sich von den „linken Mainstream Medien“ verfolgt fühlen. Musik für den deutschen Wutbürger, der auf „die da oben“ schimpft. Von wirklich fundierter Staats – & Nationalismuskritik aber zurückweicht, da „man doch ein Heimatland bräuche“. Musik für die Männerbünde die noch „echte Kameradschaft und Brüderlichkeit“ fühlen können. Kurz gesagt Musik für den deutschesten Teil der Gesellschaft, der andere Menschen die nicht zu diesen Stereotypen gehören nicht in diesen Kreis der „Familie“ lassen. Die sich gegen den Mainstream abgrenzen, gleichzeitig wohl nicht mehr Mainstream sein könnten. Das angebliche Gefühl der Ausgegrenztheit gegenüber der Mehrheitsgesellschaft schafft die Räume für das „wir gegen die Anderen“ Gefühl und ähnliches. Wer hier „die Anderen“ sind kann sich vermutlich jeder denken. Musik die sich nicht im irgendeinem „Ghetto“ ansiedelt wie viele Fans es sich vielleicht wünschen, um den Charakter der Ausgegrenztheit noch zu bestärken sondern Musik, die sich ansiedelt zwischen CDU wählen und Stammtischparolen, zwischen Vorstadtsiedlung und Dorffeuerwehr.

Gegenkultur anyone?

Doch müssen sich linke Zusammenhänge und linke Popkultur fragen was man diesen Zuständen entgegensetzen kann bzw. muss. Was kann man einer Kultur des patriotischen Deutschrocks entgegensetzen? Ironie wie oft bei den Goldenen Zitronen? Linke Schlachtgesänge aller Slime?  Zeckenrap von TickTickBoom?  Nun Die Goldenen Zitronen haben immer versucht sich nicht in eine klassische Nische stecken zu lassen, ihre Musik nie einfach so konsumierbar zu machen. Eine Strategie die heutzutage wohl nicht mehr aufgeht denn es ist quasi alles unkritisch Konsumierbar weswegen diese Strategie wohl so oder so zum scheitern verurteilt ist. Die Reunion von Slime hat mit „Sich fügen heisst Lügen“ tatsächlich ein relativ starkes Album nach sich gezogen, wobei hier bedacht werden muss, dass hier vor allem Texte Erich Mühsams vertont wurden und keine eigenen Texte. Sicher ziehen Slime noch immer aber das wohl nur in linksradikalen Kreisen und teilen des unkritischen „Punk & OI United“ Publikums aber nicht in einem Deutschland, das versucht kollektiv zu vergessen und lieber wieder mehr nationalen Pop wie Silbermond, Juli oder Tim Bendzko. Die Diskussion Ende der Neunziger klingt noch in den Ohren als Dieter Thomas Heck und Heinz Rudolf Kunze beide unabhängig voneinander eine „nationale Quote“ im Radio forderten. Während Kunze davon schwafelte, dass die Deutschen seit dem 2. Weltkrieg jeden Schund der aus Amerika kam widerstandslos geschluckt hätten, forderte Heck „Es gibt einfach Menschen die so etwas (deutschen Schlager) nicht fühlen und denen musst du es eben per Gesetz zeigen“ (Gefühlsnationalismus als Gesetz quasi).

Das bisschen Totschlag bringt uns nicht gleich um sagt mein Mann

Alles in Allem ist die „verordnete Betroffenheit“ nach den Brandanschlägen in Rostock & Mölln verflogen. Der Deutsche fordert wieder sagen zu dürfen was er denkt. Vorbei ist die Betroffenheit über tote Flüchtlinge, durch Leute ermordet die „wieder Stolz seien wollen Deutsche zu sein“. Der Kampf für die Refugees am Oranienplatz oder auf St. Pauli wird nicht nur von staatlicher Seite sondern auch von bürgerlicher Seite immer wieder verbal angegangen. Wer sich die Kommentarspalten unter Nachrichtenportalen wie Tagesspiegel, Welt, Focus, Zeit.. etc. durchliest bekommt den Eindruck, dass es nur eine Frage der Zeit ist bis wieder Leute applaudieren weil Molotowcocktails auf Refugeeheime fliegen. Die Forderungen reichen von „Da muss der Staat aber auch mal an uns denken*“ über „Denkt doch auch an unsere Kinder wie sollen die denn aufwachsen mit so einem Heim in der Nähe?*“ bis hin zu „Am besten nachts reinschleichen, Benzin verschütten und mit dem ganzen Pack darin anzünden*“ (* hier die üblichen Rechtschreibfehler & Satzzeichenrudel bitte dazu denken). Das sind bei weitem nur Meinungen von NPD Mitgliedern oder sonstigen rechten Kadern, dass sind Meinungen von Menschen die SPD,CDU etc. wählen und vielleicht sogar einen „ausländischen Freund (!) haben“.

Das ist alles nichts neues aber es zeigt wie zynisch es ist bei Deutschland von einem „offenen“ und „friedlichen“ Staat zu reden wie Gauck es auf der Sicherheitskonferenz in München tat. Dieses Deutschland darf unter keinen Umständen an der Konstruktion der modernen Welt oder an einer Verteidigungslinie Europas arbeiten.

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New Cops On The Block – Diskussion über die Demonstration vom 21.12.2013

Über die Demonstration vom 21.12.2013, die Einrichtung von Gefahrengebiete bzw. -inseln und den Umgang der politischen Linken mit diesen Ereignissen diskutierten am 19. Januar 2014 im Golem THOMAS EBERMANN (Publizist), CHRISTOPH TWICKEL (Aktivist und Journalist), ANDREAS BLECHSCHMIDT (Aktivist aus der Roten Flora), NIELS BOEING (Aktivist im »Recht auf Stadt«-Netzwerk) und HERMANN L. GREMLIZA (Publizist).

 Die komplette Diskussion

 

Vor kurzem war ich in Hamburg, was meine Eindrücke der Situation der Stadt und vorallem der betroffenen Vierteln sind werde ich die nächsten Tage schreiben.

Gefahrengebiet Dafuq?

Rund 2 Wochen nach den Krawallen rund um die Rote Flora hat die Polizei große Teile Hamburgs zum „Gefahrengebiet auf unbestimmte Zeit“ ernannt.

Das

Unter www.gefahrengebietegefaehrden.noblogs.org könnt ihr euch informieren was genau ein „Gefahrengebiet“ ist.

Problematisch ist das hier nicht mal die Gerichte entschieden haben  (was natürlich genauso scheisze gewesen wäre), sondern alleine die Hamburger Polizei (angeblich auch zum Schutz ihrer eigenen Wachen die in den letzten Tagen wiederholt als Reaktion auf die Polizeigewalt am 21.12.13 angegriffen wurden.).

Weiterhin setzt die Hamburger Polizei also auf eine Eskalationsstrategie.

Sprayer, Papierlose, POC, Autonome, AntifaschistInnen, Obdachlose etc.  sollen also weiterhin kriminalisiert werden, verfolgt werden ohne an Lösungen zu arbeiten. Knallharte Law&Order Politik.

HH-Mittendrin zum Gefahrengebiet

Publikative.org : Bilder aus der Danger Zone

 

EDIT:

Mittlerweile gibt es berechtigte Zweifel am 2 Angriff auf die Davidwache

http://www.publikative.org/2014/01/05/gab-es-keinen-zweiten-angriff-auf-die-davidwache/

http://hh-mittendrin.de/2014/01/jurist-ausert-zweifel-an-angriff-auf-davidwache/

Die wenigen kritischen Stimmen aus dem Polizeicorpsgeist zeichnen ein völlig anderesBild vom 21.12. und der gesammten Hamburger Polizei als Mopo,Abendblatt & co.

http://www.kritische-polizisten.de/pressemitteilungen/dokumente/2014-01-05-PM-Rote-Flora.pdf

Die Polizei in Hamburg versucht offenbar durch das faken von Angriffen auf Polizeiwachen und den Lügen bezgl. 21.12. #Lampedusahh #RoteFlora & #EssoHäuser als soziale Themen in den Hintergrund zu drängen und ihre Law&Order Politik die sie schon unter Schill praktizieren durfte eiskalt durchzusetzen und mit der indierekten Forderung nach Schusswaffengebrauch rechte Fantasien auszuleben um alles was von der Norm abweicht aus der „reinen“ Stadt Hamburg zu vertreiben.